STAFFEL, neues Filter-Plugin von Kreuzberg Audio, jetzt im Shop

STAFFEL 1.0.0 ist da: warum zwei Filter besser sind als ein Morph

STAFFEL, neues Filter-Plugin von Kreuzberg Audio, jetzt im Shop

STAFFEL ist seit heute im Shop. Es ist unser erstes Filter-Plugin, entstanden aus einer Frage, die mich seit Jahren beschäftigt: Warum klingt jeder Filter-Sweep im Club gleich? Hier erzähle ich, was wir uns dabei gedacht haben und wie STAFFEL innen arbeitet. Wer nur hören will, findet die Demo hier: kreuzberg-audio.com/downloads/staffel

Die Idee: das Filter selbst bewegen, nicht seinen Cutoff

Ich wollte einen Regler, der nicht die Grenzfrequenz verschiebt, sondern das Filter verwandelt. Links ein Tiefpass mit sechs Polen, rechts ein Formant, dazwischen etwas, das keins von beiden ist. Für Bässe und Leads im Club ist das der Unterschied zwischen einem Build, den jeder kennt, und einem, bei dem der Floor kurz den Kopf hebt. Die Frage war nur, wie das dazwischen stabil bleibt und nicht knackt.

Warum zwei komplette Filter und kein Morphing

STAFFEL Oberfläche: Zahnreihe mit 14 Plätzen, Frequenzgang der Kette, FILTER A links, STAFFEL-Regler in der Mitte, FILTER B mit IMPRINT rechts
Die Zahnreihe oben zeigt, welche der 14 Plätze gerade bei A und welche bei B liegen. Darunter der Frequenzgang der ganzen Kette.

Der naheliegende Weg wäre Morphing: die Koeffizienten von A und B interpolieren. Nur ist ein Zwischenwert zwischen zwei Koeffizientensätzen kein Filter, das jemand entworfen hat. Die Pole wandern auf Wegen, die nach nichts klingen, und an manchen Stellen wird es instabil. Daher kommen die Knackser und Pegelsprünge, die man von Morph-Reglern kennt.

STAFFEL rechnet deshalb nie mit Zwischenwerten. Beide Filter werden komplett entworfen und laufen als Sektionen zweiter Ordnung in einer Kette mit 14 Plätzen: sieben Ränge, in jedem Rang ein Platz für eine Sektion von A und einer für eine Sektion von B. Jeder Platz rechnet nur eine Blende zwischen seinem Eingang und dem, was seine Sektion daraus macht: bei 0 ein exakter Durchgang, bei 1 exakt das Filter. Deshalb ist ganz links bitgleich A und ganz rechts bitgleich B, und jede Stellung dazwischen ist stabil, weil sich nie ein Pol bewegt. Es bewegen sich nur Blenden.

Was bei der Übergabe passiert: die wandernden Kerben

Drehst du den STAFFEL-Regler, wechselt die Kette Rang für Rang von A nach B, wie ein Staffelstab. Jeder Rang hat seinen eigenen Umschaltpunkt auf dem Regelweg. SOFTNESS bestimmt, wie breit dieser Punkt ist: bei 0 klappt ein Rang hart um, bei 100 Prozent gleiten alle sieben ineinander. ORDER legt fest, welcher Rang zuerst dran ist, die tiefen, die hohen, von der Mitte nach außen, von außen nach innen oder zufällig. Der Zufall hat einen Seed von 1 bis 99, damit ein Verlauf, den du heute gefunden hast, morgen noch derselbe ist.

Interessant wird es genau dort, wo ein Rang halb umgeschaltet ist. Dann läuft das Signal zur Hälfte durch eine resonante Sektion von A und zur Hälfte durch ihr Gegenstück von B, und beide Anteile haben an derselben Frequenz unterschiedliche Phasen. Sie löschen sich teilweise aus. Das ergibt Kerben im Spektrum, und weil sich die Blenden beim Drehen verschieben, wandern die Kerben mit. Ein Tiefpass auf dem Weg zum Hochpass klingt in der Mitte nicht nach beidem, sondern hohl, vokalig oder kammartig, je nach Einstellung beider Seiten. Wir haben das mit einem LP4 bei 500 Hz gegen einen HP2 bei 2 kHz in 100 Stufen gemessen: Die Kerben sind kein Zufall, sie lassen sich mit ORDER und SOFTNESS formen.

Im Pegel hält das LEVEL COMP: ein Ausgleich, der aus dem Frequenzgang der aktuellen Stellung gerechnet wird, nicht aus dem Signal, und deshalb nicht pumpt. Du vergleichst Klang, nicht Lautstärke.

IMPRINT: ein gefangener Klang wird zu Filter B

STAFFEL im hellen Theme
Rechts bei FILTER B sitzen CAPTURE und LOAD FILE. Der Abdruck wird mit dem Projekt gespeichert.

Bis hierhin kommen beide Filter aus Rezepten. Mit IMPRINT kommt Filter B aus deinem eigenen Material. Du drückst CAPTURE, und STAFFEL sucht in den letzten zwei Sekunden der Sidechain das lauteste Fenster von 85 Millisekunden. Eine lineare Prädiktion 14. Ordnung holt aus diesem Fenster die Resonanzen heraus, die den Klang geprägt haben: 14 Pole, also sieben Resonatoren mit je Frequenz und Abklingzeit. Diese sieben Resonatoren sind ab dann Filter B.

Weil der Abdruck nur aus Frequenzen und Abklingzeiten besteht, darfst du ihn verbiegen wie jedes andere Filter. SHARPNESS verlängert die Abklingzeiten, CUTOFF B verschiebt alle Resonanzen in Oktaven, RESO B macht sie breiter oder schmaler. Und dann übergibst du mit dem STAFFEL-Regler von einem LP4 an den Korpus einer Snare oder an das Vokal eines Chops, Sektion für Sektion. Ein neuer Abdruck blendet über 25 Millisekunden ein, während eine zweite Kette den alten so lange weiterrechnet. Du kannst also mitten im Take fangen, ohne dass es knallt.

Die Modulation bewegt nur die Übergabe

STEP, ENVELOPE und LFO zielen alle auf denselben Punkt: den STAFFEL-Regler. Ihre Anteile werden einfach addiert, jeder mit eigener Menge, positiv oder negativ. Was sie nie erreichen, ist der Entwurf der Filter selbst. Kein Modulator verschiebt einen Pol, keiner rechnet einen Koeffizienten neu. Sie bewegen ausschließlich die Blenden der 14 Plätze.

STEP-Reiter mit RATE, STEPS, SHAPE, GLIDE, AMOUNT und ACTIVITY
STEP: 2 bis 8 Stufen im Raster des Hosts. Auf Sechzehnteln bekommt eine Acid-Line pro Schritt ein anderes Filter, nicht nur einen anderen Cutoff.

Das klingt nach einem Detail, ist aber der Grund, warum du die drei Quellen stapeln kannst, ohne dass etwas knackt. Ein STEP auf Sechzehnteln mit einem LP4 gegen einen Formant gibt einer Bassline pro Schritt ein anderes Filter. Der ENVELOPE auf der Kick lässt ein Pad im Takt zwischen zwei Filtern pumpen statt in der Lautstärke. STEP und der synchrone LFO lesen die Taktposition direkt vom Host, ein Bounce klingt deshalb exakt wie die Wiedergabe, bei jeder Blockgröße.

Was STAFFEL nicht kann

Das Oversampling ist immer an, 2x oder 4x, mit 49 beziehungsweise 61 Samples Latenz. Eine Stufe ohne Oversampling gibt es nicht, weil sich dort die Resonanz des LP6 nahe 20 kHz gestapelt hat. Die Latenz wird an den Host gemeldet, zum Einspielen über das Plugin ist sie trotzdem zu spüren. Es gibt keine MIDI-Steuerung, alles läuft über die Automation des Hosts. Und in manchen Hosts bleibt die Sidechain still, solange nichts auf sie geroutet ist; die Statuszeile sagt dir das.

STAFFEL selbst ausprobieren

Die Demo ist die Vollversion: voller Funktionsumfang, drei Sekunden leises Rauschen pro Minute, 30 Starts. Sie läuft unter macOS, Windows und Linux als VST3, AU, CLAP und Standalone. Die Vollversion kostet 49 Euro inklusive Mehrwertsteuer, drei Aktivierungen, kein Netzwerkzugriff nach der Aktivierung. Installer und Handbücher in Deutsch und Englisch liegen auf der Produktseite: kreuzberg-audio.com/downloads/staffel

Wenn du damit einen Build baust, der in der Mitte spannender klingt als am Drop, schick ihn mir. Genau dafür haben wir es entwickelt.

Cheers,
Frank