Braucht es wirklich noch einen 303-Klon?

KA-303 Acid-Synthesizer von Kreuzberg Audio

Im Juni hat AMAZONA.de über den KA-303 berichtet. Interessanter als die Meldung selbst war für uns die Diskussion darunter. Denn dort stand, ziemlich direkt formuliert, genau die Frage, die wir uns selbst gestellt haben, bevor wir überhaupt angefangen haben: Wer soll denn noch einen 303-Klon kaufen?

Das ist eine faire Frage. Hier ist unsere ehrliche Antwort.

Die Frage ist berechtigt

Es gibt Phoscyon. Es gibt ABL3. Es gibt eine ganze Reihe guter Emulationen, teilweise seit über zehn Jahren gepflegt. Und es gibt Hardware: eine TD-3 kostet weniger als unser Plug-in, eine RE-303 klingt hervorragend, und wer eine echte TB-303 auftreibt, braucht ohnehin keinen Rat mehr von uns.

Wenn es uns nur darum gegangen wäre, das Original möglichst genau nachzubauen, hätten wir es gelassen. Diesen Job machen andere seit Jahren gut. Der Grund, warum wir trotzdem angefangen haben, ist ein anderer, und er hat mit Klang erst einmal gar nichts zu tun.

Was uns an jeder 303 gestört hat

Bedienoberfläche des KA-303 mit Sequenzer-Grid, Filter-Sektion und Angel-Fish-Modul
Der Sequenzer nimmt bewusst den größten Teil der Oberfläche ein. Er ist der Grund, warum es dieses Plug-in gibt.

Das Eingeben von Patterns. Auf dem Original ist es eine Zumutung, und das ist inzwischen Folklore statt Kritik. Aber auch in Software ist es meistens nur eine Reihe von Knöpfen, die man einzeln anklickt. Man baut eine Line, sie sitzt nicht ganz, man klickt weiter, und irgendwann ist die Idee weg, die man eigentlich hatte.

Deshalb haben wir zuerst den Sequenzer gebaut und den Synthesizer drumherum. Skalen mit SNAP-Schalter, damit nur die Töne setzbar sind, die zur Tonart passen. Scramble und Mutate, die eine bestehende Line verwürfeln oder behutsam verändern, statt sie zu ersetzen. Octave Jumps. Fünf Groove-Modi von Tight über Shuffle bis Laid Back. Und wenn ein Pattern sitzt, zieht man es per Drag-and-Drop direkt in die DAW.

Wir schreiben das nicht, weil es sich gut liest. Wir schreiben es, weil genau dieser Teil in den Tests unabhängig voneinander hervorgehoben wurde: bonedo nennt die Composing Engine die heimliche Stärke des Plug-ins, und ein Nutzer bei KVR Audio nennt sie das eigentliche Highlight. Das war die Wette, und sie ist aufgegangen.

Trotzdem musste der Klang stimmen

Ein guter Sequenzer rettet keinen schlechten Filter. Also haben wir die Schaltung modelliert statt den Klang nachzuahmen.

Das Diode-Ladder-Filter arbeitet mit Zero-Delay-Feedback und besteht aus vier kaskadierten Integratorstufen mit asymmetrischen Koeffizienten. Genau diese Asymmetrie ist der Punkt: ein sauber symmetrisches Filter klingt steril, das Original war es nie. Dazu kommt die Soft-Clipping-Sättigung nach dem Verhalten der 1S2473-Siliziumdioden und der originale 150-Hz-Hochpass im Rückkopplungspfad, der dafür sorgt, dass der Bass beim Aufdrehen der Resonanz nicht wegbricht.

Ähnlich beim Oszillator. Eine echte 303 erzeugt kein perfektes Rechteck. Je nach Gerät liegt das Tastverhältnis irgendwo zwischen 46 zu 54 und 48 zu 52, und dieser kleine Fehler ist Teil des Klangs. Pulse Bias verschiebt den Schaltpunkt bipolar und macht daraus einen Regler. Analog Drift entscheidet, ob der Vergleicher hart begrenzt oder ein Transistor weich sättigt. Im Unison-Modus bekommt jede der bis zu sieben Stimmen einen leicht anderen Schaltpunkt, dazu ein eigenes Filter, eigene Hüllkurven und einen eigenen Slide-Prozessor.

Und dann das, was das Original nicht kann

Die Angel-Fish-Sektion ist unsere Verbeugung vor dem Devil-Fish-Umbau: Overdrive, Hi Reso, Filter FM und ein eigener Accent-Weg. Seit Version 1.7 gibt es zusätzlich Angel Fish II mit deutlich extremeren Werten, bis hin zu Wavefolding und Filtermodulation im Audiobereich. Wer den zahmen Klang will, lässt es aus. Wer die Line zum Schreien bringen will, hat jetzt einen Weg dorthin.

Dazu vier Verzerrungsmodelle, DS-1, Tube, Rat und Fuzz, mit einem Crossover vor der Verzerrung. Der trennt den Sub-Bass von den Mitten, sodass nur der obere Bereich verzerrt und das Fundament stehen bleibt. Genau daran scheitern viele Acid-Spuren im Mix.

Zum Preis, ohne Ausflüchte

In der Diskussion kam der Einwand, 69 Euro seien für Software zu viel, wenn eine Hardware-Bassline weniger kostet. Der Einwand stimmt rechnerisch, und wir wollen ihn nicht wegreden.

Wer Hardware will, soll Hardware kaufen. Ein Gerät mit Knöpfen unter den Fingern ist durch nichts zu ersetzen, und wir haben selbst genug davon im Studio stehen. Was du hier stattdessen bekommst: Der KA-303 läuft auf macOS, Windows und Linux, als VST3, AU, CLAP und als eigenständiges Programm. Er braucht keinen Platz und keinen zusätzlichen Controller. Und alle Updates sind kostenlos, von Version 1.0 bis zur heutigen 1.8, ohne Aufpreis und ohne Abo.

Zur Oberfläche, ein Eingeständnis

Die Optik war in der Diskussion der häufigste Kritikpunkt. Zu nüchtern, zu minimalistisch, kein nachfotografiertes Silbergrau. Das ist eine bewusste Entscheidung: wir wollten die Fläche für den Sequenzer nutzen statt für Schraubenköpfe, und fotorealistische Oberflächen altern erfahrungsgemäß schlecht.

Ein Punkt geht aber klar an die Kommentarspalte. Es gibt seit Langem ein helles Farbschema in den Einstellungen. Dass ein Redakteur darauf hinweisen musste, weil es niemand gefunden hat, ist kein Designproblem, sondern unser Fehler in der Dokumentation. Wir schreiben es sichtbarer ins Handbuch und auf die Produktseite.

Am besten hörst du selbst hin

Alles hier oben sind Behauptungen eines Herstellers über sein eigenes Produkt. Deshalb gibt es eine Demo, die nichts kostet und keine Anmeldung braucht. Sie hat den vollen Funktionsumfang, mischt alle 30 Sekunden ein kurzes Rauschen dazu und wird nach 30 Starts stumm. Das reicht bei Weitem, um herauszufinden, ob dir das Filter und der Sequenzer liegen.

Wenn nicht, hast du nichts verloren. Wenn doch, weißt du vorher genau, wofür du bezahlst.

Danke an AMAZONA.de für die Meldung und ausdrücklich auch an alle, die darunter mitdiskutiert haben. Kritik, die konkret wird, ist deutlich nützlicher als Applaus. Die Meldung findest du hier: amazona.de/kreuzberg-audio-ka-303-synthesizer-plug-in

Cheers,
Frank