RASPEL, neues kostenloses Plugin von Kreuzberg Audio: Sättigungsfilter mit Wavefolder

RASPEL ist da: warum die Zerre in den Filter gehört

RASPEL, neues kostenloses Plugin von Kreuzberg Audio: Sättigungsfilter mit Wavefolder

RASPEL ist seit heute im Shop, und es kostet nichts. Keine Seriennummer, keine Aktivierung, keine Demo-Grenze. Es ist ein resonanter Filter, der in jeder seiner Stufen sättigt, mit einem Wavefolder dahinter. Hier erzähle ich, warum wir ihn gebaut haben, für wen er gedacht ist und warum er so klingt, wie er klingt. Wer gleich loslegen will: kreuzberg-audio.com/downloads/raspel

Die Idee: Filter und Zerre in einem Werkzeug

Jeder, der Acid-Lines baut, kennt das Problem. Setzt du den Saturator vor den Filter, landet die Zerre genau dort, wo der Filter sie gleich wieder wegschneidet. Setzt du ihn dahinter, drückt er als Erstes die Resonanzspitze platt. Die Line, die eben noch gequietscht hat, klingt danach nach Teppich.

Also baut man Umwege: zwei Plugins, Pegel nachziehen, RESO weiter aufdrehen, um zu retten, was die Zerre geschluckt hat, dann wieder Pegel nachziehen, weil jetzt alles lauter ist. Beim nächsten Bass geht es von vorn los. RASPEL macht daraus einen Handgriff. Du drehst RESO und DRIVE gemeinsam hoch, die Line wird rau und dreckig und behält trotzdem ihre Spitze.

RASPEL Oberfläche mit dem Preset Bar Riser: Frequenzgang oben, darunter INPUT, CUTOFF, RESO, DRIVE, CHARACTER, OUTPUT und MIX, unten TYPE, GAIN COMP, MONO und SMOOTH
Eine Seite, sieben Regler, alles im Blick.

Warum die Resonanz unter DRIVE dicker wird statt einzuknicken

RASPEL ist kein Saturator mit einem Filter hintendran und auch kein Filter mit einem Drive-Knopf, der nur den Eingang anfährt. DRIVE sättigt den Eingang jeder einzelnen Filterstufe. Vor dem Filter wird der Pegel um bis zu 30 dB angehoben, danach wird die Anhebung wieder abgezogen. Die Zerre entsteht also mitten im Filter, Stufe für Stufe, und nicht davor oder dahinter.

Der entscheidende Punkt ist die Rückkopplung. Sie bleibt linear, auch wenn die Stufen selbst schon kräftig sättigen. Die Resonanz wird deshalb unter Sättigung dicker statt instabil, auch mit DRIVE auf Anschlag. Bei vielen Filtern mit Drive ist genau das die Stelle, an der es pfeift oder zusammenfällt. Hier bleibt die Spitze stehen, und um sie herum wird es rauer.

Dazu läuft immer ein automatischer Pegelausgleich mit. DRIVE macht den Klang dichter, nicht einfach lauter. Das klingt nach einem Detail, ist aber der Grund, warum man mit RASPEL schnell zu einem Ergebnis kommt: Du beurteilst den Charakter, nicht die Lautstärke, und lauter klingt nicht automatisch besser. Mit GAIN COMP liegt außerdem jede Filterstufe im Durchlassbereich bei 0 dB, RESO hebt also die Spitze an und nicht den ganzen Klang. Wer es fetter will, schaltet GAIN COMP aus und treibt die Sättigung damit noch härter.

Für wen RASPEL gemacht ist

Menü TYPE mit LP2, LP4, LP6, HP2, HP4 und BP4
Sechs Filtertypen, jeder mit einem eigenen Job.

Für Leute, die Techno, Acid, House, Breaks oder Drum and Bass machen und ihre Bässe und Leads nicht mit drei Plugins in Folge bearbeiten wollen. RASPEL ist auf den Einsatz im Track gebaut, nicht auf das Mastering. Die sechs Filtertypen decken die Aufgaben ab, die im Studio ständig vorkommen:

  • LP4, 24 dB pro Oktave, ist der Standard für Acid und Basslines.
  • LP2 bleibt offen und rund, für Akkorde, Pads und Bässe, die nicht dunkel werden sollen.
  • LP6 schneidet mit 36 dB pro Oktave am steilsten und macht einen Reese-Bass richtig dunkel.
  • HP2 und HP4 räumen Drum-Loops unten frei für Kick und Bass und ziehen im Build-up den Bass langsam heraus.
  • BP4 ist der Bandpass für vokale Sweeps, Telefonklang und Percussion.

Ein Wechsel des Typs blendet über 20 ms über. Du kannst also mitten im Takt umschalten, auch im Drop, ohne dass es knackt. Und weil RASPEL nichts kostet, darf er auch auf dem zwölften Kanal einer Session sitzen, ohne dass jemand eine Lizenz zählt.

Was den Klang ausmacht

Hinter dem Filter sitzt CHARACTER, ein Sinus-Wavefolder. Er faltet das Signal zurück, sobald es eine Grenze überschreitet, und erzeugt dabei neue Obertöne. Das ist etwas anderes als Clipping: Die Obertöne wandern mit dem Pegel, und der Klang wird metallisch statt nur lauter. Zwischen 0.1 und 0.3 bekommt ein Sub Präsenz, ohne dicker zu werden, er ist dann auch auf kleinen Lautsprechern noch zu hören. Zwischen 0.4 und 0.6 wird aus einem runden Bass ein metallischer Lead. Darüber faltet CHARACTER hart, für Industrial, Hardgroove und Breaks. Bei 0 ist er komplett aus und lässt das Signal bitgenau durch.

DRIVE reicht von Wärme auf dem Bus bei 20 bis 40 % über einen kräftigen Acid-Bass bei 50 bis 70 % bis zu echter Zerre auf Drums ab 80 %. Weil der Pegelausgleich mitläuft, kannst du diesen ganzen Weg abfahren, ohne am Fader nachzuziehen.

Einstellungen mit OVERSAMPLING, UI SCALE, THEME, TOOLTIPS und UPDATES
4x Oversampling ist voreingestellt, 8x für helle Signale mit viel Zerre.

Zerre erzeugt Obertöne weit über 20 kHz. Ohne Gegenmaßnahme falten die sich zurück in den hörbaren Bereich und machen die Höhen kratzig, das ist der typische Digitalklang billiger Verzerrer. Filter, DRIVE und CHARACTER laufen in RASPEL deshalb übersampelt, standardmäßig mit 4x, wahlweise 1x, 2x oder 8x. So bleiben die Höhen sauber, auch wenn du sie kaputtmachst.

Und dann gibt es noch zwei Dinge, die man nicht hört, solange sie richtig gemacht sind. MIX ist echte Parallelbearbeitung: Das trockene Signal wird vor INPUT abgegriffen und zeitrichtig mitverzögert, es entstehen keine Kammfilter. MONO legt alles unter der eingestellten Frequenz auf die Mitte, ohne Latenz und phasenkompensiert, von 20 bis 500 Hz. Weil MONO am Ende der Kette sitzt, wirkt er auch auf das trockene Signal.

CIRCUIT Vintage: Stufen statt glatter Sweep

Menü CIRCUIT mit Modern und Vintage
Ein Schalter, zwei Charaktere.

Moderne Software-Filter sweepen stufenlos glatt. Das ist sauber, aber genau daran erkennt man sie. CIRCUIT Vintage rastet die Frequenz der Filterpole in Drittel-Oktav-Schritte und die Dämpfung in gröbere Stufen, dazu kommt eine weiche Begrenzung im Filter. So verhält sich ein Filter in einem alten Digitalsystem.

Hörbar wird das im Bass. Ein langsamer Sweep unter 150 Hz läuft in Stufen, und mit Resonanz wird die Bewegung gestuft und leicht rau. Genau das hebt einen Sub-Sweep von einem glatten Software-Sweep ab. In den Höhen klingt Vintage fast wie Modern, dein Top-End bleibt also, wie es ist.

Vier Rezepte für den Einstieg

RASPEL hat keinen eigenen LFO, alle 14 Parameter laufen über die Automation deiner DAW. SMOOTH entscheidet, wie der Filter folgt, von 1 bis 100 ms, und macht aus derselben Automationskurve zwei verschiedene Bewegungen.

  • Acid-Line: LP4 auf eine Sechzehntel-Line, CUTOFF um 300 bis 600 Hz, RESO 60 bis 75 %, DRIVE 40 %. SMOOTH auf 3 bis 6 ms und CUTOFF in Stufen automatisieren, dann springt der Filter hart mit und die Line quietscht.
  • Build über 16 Takte: HP2 auf den Drum-Bus, CUTOFF langsam von 20 Hz auf ein paar hundert Hertz, SMOOTH lang. Im Drop springt der Filter zurück, und die Kick ist wieder da.
  • Parallelzerre auf Drums: MIX 50 % mit viel DRIVE. Kick oder Snare behalten ihren Punch, die Sättigung liegt darunter.
  • Bass im Club: MONO auf 100 bis 140 Hz auf Bass oder Kick-Bus. Der Sub bleibt in der Mitte, die Breite darüber bleibt erhalten.

50 Presets, alle gleich laut

Alle Werkspresets sind bei -18 dBFS auf 1 dB genau pegelgleich eingemessen. Beim Durchblättern springt die Lautstärke nicht, und du hörst, was ein Preset macht, statt dass es nur lauter ist. Das war uns wichtiger als eine große Zahl.

  • Init (1): der neutrale Ausgangspunkt, Filter offen, keine Sättigung.
  • Warm (16): Wärme und Sättigung für Busse, Pads, Akkorde und Bässe, von Soft Lid bis Melted Wax. Die Bass-Presets schalten den Mono-Maker ein, Parallel Warmth zeigt die Parallelzerre.
  • Sweep (16): Ausgangspunkte für Filterfahrten, kurz für gestufte Sechzehntel wie Squelch Step, lang für Builds wie Bar Riser und Tension Build, vokal mit Formant Rise und Vowel Ride.
  • Break (17): Hochpässe und Bandpässe für Drums, Loops und Percussion, vom sauberen Kick Clear bis zum zerstörten Crushed Break und Factory Floor.

Was RASPEL nicht kann

RASPEL hat keinen LFO und keine Hüllkurve. Bewegung kommt aus der Automation deiner DAW, das war eine bewusste Entscheidung für eine Oberfläche, die auf eine Seite passt, aber wer einen Filter mit eingebauter Modulation sucht, wird hier nicht fündig.

Das Oversampling kostet Latenz: Bei 48 kHz meldet RASPEL je nach Einstellung 59, 108, 120 oder 124 Samples an den Host, also zwischen 1,2 und 2,6 Millisekunden. Ein Teil davon kommt von einer Bandbegrenzung bei 19.5 kHz, die immer im Signalweg liegt. Die DAW gleicht das aus, und ein Bounce klingt bei jedem Durchlauf gleich. Beim Einspielen live über das Plugin kann man es aber merken.

Unter Linux läuft RASPEL nur auf x86_64 ab Ubuntu 22.04, ARM-Rechner bleiben dort vorerst draußen.

RASPEL selbst ausprobieren

RASPEL ist kostenlos, ohne Seriennummer, ohne Aktivierung und ohne Demo-Einschränkung. Es läuft als VST3, AU, CLAP und Standalone unter macOS 11 oder neuer (Universal Binary, Intel und Apple Silicon), Windows 64 Bit und Linux x86_64. Installer und Handbücher in Deutsch und Englisch liegen auf der Produktseite: kreuzberg-audio.com/downloads/raspel

Wenn du mit RASPEL eine Acid-Line baust, die unter DRIVE schreit statt einzuknicken, schick sie mir. Genau dafür haben wir ihn gebaut.

Cheers,
Frank